hmm

Friday, November 25, 2005

2. Welche Hauptfragen und -anliegen kennzeichnen den Funktionalismus eines Malinowski oder den Strukturfunktionalismus eines Radcliffe-Brown? Diskutiere die Beiträge in Theorie und Methode, die die beiden Gründerfiguren der britischen Anthropologie in die Wissenschaftstradition einbrachten.




Bronislaw Malinowski gilt als Begründer des Funktionalismus. Er, wie auch Radcliff-Brown teilen die Art der Ablehnung des Evoltionismus, betonen aber, dass es sinnvoll ist die einzelnen Typen des Evolutionismus beizubehalten, ohne die konsequente Abfolge vom Einem zum Anderen.


Funktionalismus-Bronislaw Malinowski:

Der Funktionalismus basiert auf der Idee, dass jede Komponente einer Kultur existiert, um mindestens ein Bedürfnis zu befriedigen.
Der Funktionalismus beschäftigt sich mit:
1. Verschiedenen Aktionen unter Individuen
2. Den Zwängen, die den Individuen auferlegt werden
3. Bedürfnisse eines Individuums und der Befriedigung dieser Bedürfnisse durch kulturelle und soziale Rahmenbedingungen.

Nach Malinowski hat eine kulturelle Komponente ohne Funktion keinen Bestand. Ein „Ding“ muss in der Gegenwart funktionsfähig sein um existieren zu können, was vorher war erklärt die Gegenwart nicht. Nach Malinowski muss es im Hier und Jetzt irgendwelche in der Gegenwart verankerten Zwecke geben, also eine Funktion> daher die Tradition des Funktionalismus.

Malinowskis herausragende Leistung auf methodischer Ebene, ist die Einführung der Teilnehmenden Beobachtung. Er machte dies zum Kernstück der empirischen Erhebungsmethoden der Sozial -und Kulturanthropologie.
Teilnehmende Beobachtung bedeutet, dass der Forscher einen längeren Forschungsaufenthalt tätigt, am alltäglichen Leben der Beforschten teil nimmt und es impliziert das Erlernen der Sprache der Menschen vor Ort. [1]

Auf theoretischer Ebene zeigt Malinowski die überragende Bedeutung de nicht markt- und profitorientierten Geschenkaustausches.
In seinem 1922 erschienenem Werk „Die Argonauten des westlichen Pazifik“, beschreibt Malinowski das äusserst komplexe, soziale und ökonomische Phänomen der Kula-Reisen der Melanesier. Malinowski verbrachte über drei Jahre in Melanesien. Unter dem Aspekt der teilnehmenden Beobachtung konnte er das Phänomen des Kulas beschreiben und analysieren.

Zwischen verschiedenen Segmenten(Radcliff-Brown) bzw. zwischen verschiedenen Teilen Der Gesamtgesellschaft, die auf den verschiedenen Inseln leben, gibt es ein soziales Band, den Kula.
Kula ist ein ritueller Tausch von Prestigeobjekten, welche aber keinen unmittelbaren Nutzen haben. Der Zweck ist die Gutstellung mit den Nachbarn, der Zusammenhalt der verschiedenen Segmente(=Funktionalismus).
Die Ergebnisse von Malinowskis Feldforschungen schienen damals eine Art neuer ethnologischer Tatsachen zu sein.[2]

Im Werk „The father in primitive psychology“ (1922), kritisiert er die zentralen Lehren von Freud in Hinblick auf Eltern-Kind-Beziehungen.
In diesem Werk hat Malinowski herausgearbeitet, dass die Theorie rund um den Odipuskomplex ethnozentristisch ist und für ausser-europäische Gesellschaften nicht stimmt.
Er meint, dass diese Struktur der Kernfamilie nicht überall gleich ist(Vater-Mutter-Kind Struktur). Auf den Trobriand Inseln herrscht ein matrilineares Ssytem vor.
Das Kind lebt mit Mutter und Bruder im Haus, der Vater ist eher „Spielgefährte“.
Malinowski zeigt somit, dass die Theroie eine zutiefst europäische ist.




Strukturfunktionalismus-Radcliff-Brown:


Der Strukturfunktionalismus beschäftigt sich mit der Positionierung von Individuen in der sozialen Ordnung und mit der Konstruktion des Sozialen. Radcliff-Brown geht von einem Gleichgewichtsmodell aus und verwendet die Begriffe der Funktion, Struktur und System um soziale Gesetzmäßigkeiten zu beschreiben.[3]

Der Strukturalismus fragt nach den Funktionen von sozialen Gesetzmäßigkeiten und Institutionen. Innerhalb eines sozialen Systems. Das soziale System bildet eine funktionelle Einheit.
Für Brown ist Struktur innerhalb einer Gesellschaft entscheidend. Die Struktur hält das Ganze zusammen und gibt dem Ganzen Form.
Radcliff-Brown konzentriert sich auf staatenlose Gesellschaften und zugleich wie diese Gesellschaften ohne Staat friedlich zusammenleben können.
Er knüpft hier an Rousseau an und stellt sich zugleich gegen die britische Tradition von Hobbes(=der Mensch muss kontrolliert werden).
Mit diesen Begrifflichkeiten(Funktion, Struktur und System) konnte beschrieben werden wie staatenlose Gesellschaften funktionieren.
Sie funktionieren am besten, wenn sie sich aus gleichartigen Subsystemen(Segmenten) zusammensetzen. Jedes Segment bildet das Gegenstück zum anderen und somit halten sich diese im Gleichgewicht = segmentäre Gesellschaften.
Das wichtigste Gliederungsprinzip, das die einzelnen Segmente in staatenlosen Gesellschaften strukturiert, das sah Radcliff-Brown in der Verwandtschaft.


Theorie des Totemismus:

Radcliff-Brown hatte zwei Theorien zum Totemismus.
Seine erste Theorie manifestiert er in dem Werk „Die soziologische Theorie des Totemismus“.
Er versucht hier zu erklären, wie Australische Aboriginals die Welt klassifizieren. Er baut hier auf Durkheims Idee des Totemismus, da er mit diesem einer Meinung ist, dass Totems die Funktion haben, Klan-Solidarität auszudrücken.
Er behauptet jedoch im Gegenteil zu Durckheim, dass eine Tierart ausgesucht wird, um eine Gruppe zu repräsentieren, weil diese Tierart bereits eine rituelle Bedeutung hat.

Durckheim behauptet, dass Tierarten erst zu Objekten der rituellen Aktivität werden, nachdem sie auserwählt wurden.
Australischer Totemismus ist laut Radcliff-Brown durch die Beziehungen zwischen 4 Punkten gekennzeichnet:
1. Die patrilineare Gruppe
2. Die Totems
3. Bestimmte heilige Orte innerhalb des lokalen Territoriums
4. Bestimmte mythische Wesen, die(in der Traumzeit) die Heiligen Plätze heilig machen

In seinem zweiten Werk über den Totemismus „The Comperativ Method in social Anthropology“, führt Radcliff-Brown seine Theorie noch weiter aus.
Seine zweite Theorie behandelt nicht nur, wie Aboriginals Menschen als Mitglieder von sozialen Gruppen klassifizieren, sondern auch, wie sie Tiere als Mitglieder von Tierarten klassifizieren. Diese Zweite Theorie geht auch über die soziale Struktur hinaus und in die kosmologische hinein.



Der Einfluss von Malinowski und Radcliff-Brown:


Malinowskis Arbeiten hatten den grössten Einfluss in Grossbritanien, jedoch folgten die meisten AnthropologInnen in Grossbritanien und viele in Amerika der Linie von Radcliff-Brown.
Radcliff-Brown hatte darüber hinaus noch Einfluss in Südamerika, Australien und Indien.
Der Funktionalismus hatte seinen Beginn im evolutionistischen Denken. Er wurde eine anthropologische Perspektive, teilweise durch den Einfluss von Durkheim, aber stärker durch das Auftreten und die Arbeiten von Malinowski und Radcliff-Brown. Bedeutend war auch die institutionelle Basis, die diese beiden Forscher und ihre Nachfolger auf der ganzen Welt schufen.[4]



[1] Alan Barnard, 2000, History and Theory in Anthropology, Cambridge University Press, S.61-62,Kap.5

[2] http://www.anthrobase.com/Dic/eng/index.html

[3] Alan Barnard, 2000, History and Theory in Anthropology, Cambridge University Press, S.65,Kap.5

[4] Alan Barnard, 2000, History and Theory in Anthropology, Cambridge University Press, S.73-78,Kap.5